„Wir schauen genau hin, was neben Glas- oder Altkleidercontainern landet“, sagt Martin Gries, während er den Wagen in Richtung erster Kontrollpunkte lenkt. Manche Stellen stehen besonders im Fokus – hier häuft sich die illegale Müllentsorgung.
Bereits der erste Halt bestätigt das Problem: In einem kleinen Mülleimer am Radweg steckt kopfüber ein großer, schwarzer Müllsack. Hausmüll. „Das ist mittlerweile Standard“, so Gries. Er zieht den Sack heraus, öffnet ihn – und wird fündig: Zwischen Verpackungen und Essensresten liegen Papiere mit einer Adresse. „Der bekommt jetzt Post vom Ordnungsamt.“ Nur wenige hundert Meter weiter, am nächsten Mülleimer: dasselbe Bild, dieselbe Adresse.
Jeder Fund wird dokumentiert und an das Ordnungsamt weitergegeben, das anschließend Ordnungswidrigkeitsverfahren einleitet. Parallel werden die Kollegen informiert, damit die betroffenen Mülleimer geleert und wieder regulär nutzbar sind.
Am ersten Containerstandort ist das Ausmaß größer: Hinter den Containern stapeln sich Säcke, dazwischen Spielzeug und sogar ein Haufen mit Maisresten. Gries ruft Verstärkung. Wenig später steht ein Pritschenwagen bereit. Die Säcke werden direkt aufgeladen – und durchsucht.
Diese Arbeit ist nichts für schwache Nerven: Fliegen steigen aus den Tüten, der Geruch ist penetrant. Doch Gries und sein Kollege arbeiten routiniert, suchen gezielt nach Hinweisen auf die Verursacher und sortieren dabei auch gefährliche Abfälle wie Akkus, Farbdosen oder Elektroschrott aus. „Das ist der Grund, warum manchmal unsere LKW brennen“, erklärt Gries. „Solche Stoffe gehören nicht in den Restmüll.“
Heute gibt es mehrfach Treffer: Briefe und Dokumente, die klar einer Person zugeordnet werden können. Auch auf der Strecke abseits der eigentlichen Kontrollpunkte wird Müll eingesammelt und kontrolliert – mit Erfolg.
Die Konsequenz dieser Arbeit zeigt sich bereits: Einige der bekannten Problemstellen sind inzwischen deutlich sauberer als noch vor wenigen Wochen. „Jede Tüte, jeder Müllsack, der einfach irgendwo abgestellt wird, zieht weiteren Müll an“, erklärt Gries. „Steht erst einmal etwas da, verlieren manche Menschen ihre Scheu und stellen ihren Kram dazu.“
Das führt zu einer Kettenreaktion: Rabenvögel picken die Tüten auf und verteilen den Inhalt. Liegen Lebensmittelreste darin, zieht das Wespen und Ratten an. Zwischen Verpackungen, Essensresten und Sperrmüll gelangen so auch Schadstoffe in den Boden – mit allen Folgen für Umwelt und Stadtbild.
Zum Ende der Tour steuert der Wagen noch eine Stelle nahe der Innenstadt an. Hier war Sperrmüll angemeldet – vier Kubikmeter. Vor Ort sind es acht geworden, inklusive Hausmüll und Elektroschrott. „Das ist ein Paradebeispiel für die wundersame Vermehrung von Müll. Leider ist bis zur Abholung derjenige verantwortlich, der den Sperrmüll angemeldet hat“, so Gries.
Nach knapp drei Stunden steht die Bilanz: Ein Pritschenwagen voller illegal entsorgtem Abfall, rund 200 Kilogramm – und fünf Mal konkrete Hinweise auf Verursacher.
Illegale Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt. Sie kostet die Stadt nicht nur Geld, sondern schadet dem Stadtbild, der Umwelt und dem Zusammenleben. Die Arbeit der AUB-Mitarbeitenden ist dabei oft ein Wettlauf gegen neue Ablagerungen – und ein Einsatz, der mehr erfordert als bloß Besen und Schaufel.